Zurück in den Hörsaal

Seit letzter Woche läuft wieder das Semester an der Uni. Es ist fast ein denkwürdiges Semester, denn es wird hoffentlich mein letztes „richtiges“ sein. Nach über 6 Jahren Studium werde ich im Oktober, wenn alles so klappt, wie ich es mir vorstelle, die letzte Staatsprüfung ablegen und bin dann Lehrerin. Doch das klingt noch nach ferner Zukunftsmusik, denn vorher muss ich erst einmal ordentlich ranklotzen!

Gerade jetzt, am Ende des Studiums, will man für die Prüfungen noch einmal das Basis-Wissen auffrischen und setzt sich in die Einführungsveranstaltungen. Das ist schon seltsam. Da sitzt man mit Jugendlichen (ja, teilweise sind sie noch nicht einmal 18 Jahre alt!), die direkt aus der Schule kommen und die am Ende jeder Vorlesung aufgeregt auf das „Pausenklingeln“ warten. Sie haben ihre schicke Studententasche, ihren neuen Coffee-to-go- Becher und stehen auch an schlimmen B1-Tagen (das heißt Vorlesung um 8 Uhr!) schon um 6 auf, um frisch und wie aus dem Ei gepellt im Seminar zu sitzen. Und zwischen all diesen Teenies sitzt die abgebrühte „alte“ Mutter (Bei dem obligatorischen „Waaas? Du bist schon im 12.Semester?“ steht immer wieder Anti-Falten-Creme ganz oben auf meiner mentalen To-Do-Liste), die es nach einer richtig üblen Nacht gerade so rechtzeitig aus dem Bett geschafft hat und die enorm stolz darauf ist, dass sie im Halbdunkel (um die Männer nicht zu wecken) tatsächlich noch einen Pulli und eine Hose gefunden hat, die einigermaßen zueinander passen. Sie hetzt mit ihrem Jutebeutel, zwei Stiften (Kuli und Bleistift), einem Block und notdürftig zusammengewurschtelter Frisur in die Uni und nutzt dort die Minuten, die der Prof zu spät kommt, für eine kurze Meditation.

Bei den Gesprächen um mich herum fühle ich mich dann immer furchtbar weise! Es muss Jahrzehnte her sein, dass ich dieselben Gesprächsthemen wie diese Mädels hatte. Und um ehrlich zu sein: ich möchte nicht mehr mit ihnen tauschen. Ich liebe meine neue Lässigkeit, seitdem ich Mama bin. Keinen Moment vermisse ich die Panik der anderen Studenten vor Prüfungen, die mir irgendwo zwischen Wickeltisch und Hörsaal abhanden gekommen sein muss. Ich weiß, dass ich für jedes Problem schon irgendwie eine Lösung finde. Sicher liegt das nicht allein am Muttersein, sondern auch an der Erfahrung, die ich in den letzten Jahren sammeln konnte. Dennoch bin ich immer noch absolut überzeugt, dass es für uns die allerbeste Entscheidung war, ein Kind im Studium zu bekommen.

Zwar bin ich gerade in den Einführungsveranstaltungen ziemlich isoliert, weil ich zu keiner Gruppe gehöre (meine passende Gruppe gibt es offensichtlich nicht) – ich gehe abends auf keine Uni-Partys mehr, ich bleibe nach den Seminaren nicht noch ein paar Stunden länger, um gemeinsam alles noch einmal aufzuarbeiten und zu quatschen (ich will heim zum Maulwurf, und gemeinsame Gesprächsthemen hätten wir ja sowieso kaum) und allein der „Mutter-Stempel“ sorgt unverzüglich für das Ende des Smalltalks, sobald das Thema darauf kommt . Manchmal ist das ein Nachteil, beispielsweise bei der Klausur-Vorbereitung. Meistens aber ist das okay für mich, da ich ja daheim meine „Leute“ habe, die mich immer cool finden 🙂

Wer übrigens mehr zum Thema „Studium mit Kind“ lesen möchte, der sollte unbedingt bei der lieben Betti von „Une vie magnifique“ vorbei schauen, die von ihrem Studium mit dem kleinen Mann Anton berichtet. Sie hat mich im letzten Jahr auch einmal interviewt (klick), wofür ich sehr dankbar bin, da ich erst zu diesem Anlass einmal konkret über die Leistungen nachgedacht habe, die so eine Doppelbelastung mit sich bringt. Das macht einen dann doch ein kleines bisschen stolz.

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